Personalisierte Onkologie oder: Medizinische Maßschneiderei

Wer einen Anzug von der Stange kauft, kann Glück haben: Die Kleidung sitzt auf Anhieb. Ansonsten sind kleinere Änderungen unvermeidlich, da jeder Mensch individuell ist.

Wir leben heute in einer Welt der Stangenware: Wir kennen unsere Größen, wir wissen, wie die Kleidung verschiedener Marken ausfällt, aber perfekt sitzt meist keines unserer Kleidungsstücke. Wie sollte es auch, wenn immer ein Durchschnittskörper als Maßstab genommen wird.

Auch in der Medizin gibt es viel Stangenware. Wir nehmen es als selbstverständlich hin, dass Krankheiten mit einem oder nur wenigen alternativen Medikamenten behandelt werden. Es scheint, als ob der menschliche Körper genauso durchschnittlich ist wie eine Modekollektion mit unterschiedlichen Größen: Neben dem Schnitt ist etwas mehr oder weniger Stoff die einzige Individualisierung.

Bei Tumorerkrankungen, die ohne Behandlung tödlich enden, darf Stangenware nicht der Maßstab sein. Hier muss es mehr geben. Eine medizinische Maßschneiderei.

Heutiger Stand

Einige Firmen bieten Sequenzierung der Tumorgene und darauf basierend Behandlungsvorschläge an. Wir konnten zeigen (und wissenschaftlich veröffentlichen), dass diese Information oftmals nicht ausreicht, eine präzise Vorhersage über das Therapieansprechen zu machen.

Die stille Revolution durch Individualisierung

In den letzten beiden Jahrzehnten hat die biomedizinische Forschung riesige Fortschritte in der Diagnose und Behandlung von Krankheiten gemacht. Mit diesem Fortschritt geht jedoch auch die Erkenntnis einher, dass die biologische Komplexität des menschlichen Körpers enorm ist. Jeder Mensch ist einzigartig und in vielerlei Hinsicht sind es auch die Erkrankungen. Die Personalisierung der Therapie ist deshalb der nächste Schritt, um der körperlichen Komplexität eines jeden Individuums Rechnung zu tragen.

Um mehr zu erfahren, oder damit Ihr Ärzteteam für Sie eine Testung vereinbaren kann, benutzen Sie bitte das entprechende Kontaktformular.

Reverse Clinical Engineering®

Bei einer Tumortherapie (Chemotherapie, small moleculesbiosimilars) handelt es sich in der Regel um leitliniengerechte Therapieabläufe, die der behandelnde Arzt im Rahmen von interdisziplinären Tumorkonferenzen mit Fachkollegen (z.B. Radiologen, Pathologen, Chirurgen) anhand von Fakten auswählt und durchführt. Menschen reagieren jedoch unterschiedlich: bei manchen stellt sich der Erfolg ein, andere wiederum reagieren schlecht oder gar nicht auf die Therapie und durchleiden dennoch alle Nebenwirkungen. Mittels Reverse Clinical Engineering® macht es ASC Oncology möglich, die Wirksamkeit von Krebsmedikamenten auf einen Tumor außerhalb des menschlichen Körpers und vor der Behandlung des Patienten parallel und in kurzer Zeit zu testen. Damit werden zwei zentrale Fragen zur Therapie beantwortet:

1. Welche Medikamente wirken nicht?

2. Welche Medikamente wirken am wahrscheinlichsten?

Während der Arzt nur einen Versuch hat, den Patienten optimal zu behandeln, kann ASC Oncology in der Zellkulturschale hunderte Tests am Tumorgewebe eines Patienten durchführen. Kleine Stücke des Tumorgewebes werden zu sogenannten Organoiden (kleine Abbilder des Krebsgewebes) herangezüchtet, an denen die Wirksamkeit der Medikamente erprobt wird. 

“Wir bekommen die Zellen direkt aus dem OP und generieren noch am selben Tag Tumororganoide“, erklärt Dr. Christian Regenbrecht, Geschäftsführer und Mitgründer der ASC Oncology GmbH. Die von ihm mitentwickelten Protokolle für simultane und automatisierte Tests verschiedener Behandlungsansätze wurden vom amerikanischen NCI (National Cancer Institute) zum „best practice approach“ gekürt. Der gesamte Prozess von der Tumorentnahme bis zum fertigen Bericht dauert in der Regel weniger als zwei bis maximal vier Wochen und unterstützt somit Behandlungsentscheidungen für Patienten mit seltenen oder schwer zu behandelnden Tumoren.